Imposter Syndrom bei weiblichen Führungskräften: Warum auch die Besten sich wie Hochstaplerinnen fühlen (und was wirklich hilft)
- Ilonka Vordermayr
- 20. Apr.
- 4 Min. Lesezeit

"Der Kalender ist voll. Deine Zahlen stimmen. Dein Titel ist beeindruckend. Und trotzdem sitzt du am Sonntagabend mit einem Kloß im Hals vor dem Montag und denkst: Irgendwann werden sie merken, dass ich eigentlich keine Ahnung habe.
Wenn du das kennst, bist du nicht allein. Und du bist auch nicht schwach. Du erlebst ein Phänomen, das so verbreitet ist, dass es einen Namen hat: das Imposter Syndrom. Besonders oft trifft es Frauen, besonders oft trifft es Frauen in Führungspositionen, besonders oft trifft es die Kompetentesten.
In diesem Artikel liest du, woran du das Imposter Syndrom erkennst, warum es dich als weibliche Führungskraft besonders hart trifft und was wirklich hilft. Nicht die übliche "Denk positiv"-Ratgeberei, sondern das, was ich in meiner Arbeit mit Führungsfrauen tatsächlich wirksam erlebe."
Was ist das Imposter Syndrom eigentlich?
Beschrieben 1978 von den Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes.
Keine Krankheit, sondern ein dysfunktionales Selbstkonzept.
Betroffene schreiben Erfolge Zufall, Glück oder Umständen zu, nicht sich selbst. Die zentrale Angst: als "nicht wirklich kompetent" entlarvt zu werden.
9 Anzeichen, dass du gerade im Imposter-Modus steckst
Dies ist der Abschnitt, den Frauen scannen. Unbedingt als Liste, aber mit emotionaler Sprache. Vorschlag für die Anzeichen:
1. Du kannst Komplimente nicht annehmen, ohne zu relativieren.
Du führst jede Beförderung auf Glück oder Timing zurück, nicht auf deine Leistung.
Du arbeitest mehr und länger als nötig, um dich abzusichern.
Du hast Angst vor Situationen, in denen "es auffliegen" könnte (Präsentationen, Meetings, Gespräche mit Führung).
Du verschiebst Sichtbarkeit, LinkedIn-Posts, Vorträge, weil du dich "noch nicht bereit" fühlst.
Du vergleichst dich ständig und kommst dabei schlechter weg.
Du hast das Gefühl, dich ständig beweisen zu müssen.
Du empfindest Lob als unangenehm, fast beschämend.
Du hast Angst, als Frau in Führung angreifbar zu wirken, und überkompensierst.
Wenn du bei fünf oder mehr Punkten genickt hast, lohnt sich der Blick tiefer hinein.
Warum Frauen in Führung besonders oft betroffen sind
Wenige Vorbilder, ständige Sichtbarkeit
Der Anteil weiblicher Führungskräfte ist in vielen Branchen noch immer niedrig. Das heißt: Als Frau in Führung bist du oft die Ausnahme, die Einzige oder eine von wenigen. Ohne sichtbare Vorbilder fehlt etwas, das Männern ganz selbstverständlich zur Verfügung steht: die innere Erlaubnis, genau so zu sein, wie sie sind.
Doppelte Bewertungslatte
Frauen werden in Führung an männlich geprägten Eigenschaften gemessen (Durchsetzung, Härte, Wettbewerb) und gleichzeitig an weiblich geprägten (Empathie, Wärme, Kooperation). Diese doppelte Anforderung erzeugt das Gefühl, ständig irgendwo nicht genug zu sein.
Perfektionismus als Überlebensstrategie
Viele Frauen haben gelernt: Fehler werden dir als Frau stärker angelastet. Also wird perfekt zum Standard, nicht zur Ausnahme. Das ist der direkte Eingang ins Imposter Syndrom.
Die gefährliche Kombination aus Imposter Syndrom und Sandwich-Position
Frauen im mittleren Management erleben beide Phänomene gleichzeitig, und sie verstärken sich gegenseitig. Der Druck von oben sagt "du lieferst nicht genug". Der Druck von unten sagt "du schützt uns nicht genug". Die innere Stimme sagt "ich kann beides nicht". Das ist die toxische Kombination, die besonders viele Frauen in Führungspositionen in die Erschöpfung treibt.
Die 5 Imposter-Typen nach Valerie Young
Die Perfektionistin: | "Es ist erst gut, wenn es fehlerfrei ist." |
Die Expertin: | "Ich muss alles wissen, bevor ich mich äußere." |
Die Solistin: | "Hilfe zu holen wäre ein Eingeständnis, dass ich es nicht kann." |
Die Naturbegabte: | "Wenn ich es nicht sofort kann, bin ich unfähig." |
Die Superfrau: | "Ich muss in allen Rollen gleichzeitig die Beste sein." |
Erkennst du dich in einem oder mehreren Typen wieder? Das ist der erste Schritt. Bewusstsein verändert.
Was wirklich hilft (und was leider nicht)
Was nicht hilft (oder nur kurzfristig):
- Positive Affirmationen vor dem Spiegel. Gut gemeint, aber das Unterbewusstsein lässt sich nicht überreden.
- "Einfach mehr Selbstvertrauen haben." Wer das könnte, hätte das Problem nicht.
- Noch eine Weiterbildung, noch ein Zertifikat, noch eine Qualifikation. Pure Kognition. Verstehen reicht nicht, weil Imposter-Muster tief im Nervensystem verankert sind.
Was nachhaltig wirkt:
- Bewusstwerden der inneren Antreiber und Glaubenssätze ("Ich muss perfekt sein, sonst bin ich nichts wert"). - Arbeit mit dem Unterbewusstsein, zum Beispiel durch Hypnose und gezielte Mentalarbeit, um alte Muster aufzulösen. - Körperliche Regulation. Wer im Dauerstress-Modus ist, kann sich nicht "positiv denken". - Erfolgstagebuch mit klarer Zuschreibung: Was genau habe ICH dazu beigetragen, dass das gelungen ist? - Begleitung durch jemanden, der die Muster erkennt und unterbricht.
Wann professionelle Begleitung sinnvoll ist
Wenn du seit Monaten oder Jahren das Gefühl hast zu funktionieren aber nicht zu leben, wenn dein Schlaf leidet, wenn du vor Montagen Bauchschmerzen hast, wenn dein Körper dir Signale sendet (Verspannungen, Herzrasen, Grübelschleifen), dann ist das der Punkt, an dem Alleingänge nicht mehr reichen.
Hier setzt mein Coaching an. Ich verbinde Bewusstseinsarbeit, Mentaltraining, Hypnose und NLP, damit die inneren Muster nicht nur verstanden, sondern tatsächlich aufgelöst werden. Oft reichen dafür wenige fokussierte Sitzungen.
Häufige Fragen zum Imposter Syndrom bei Frauen in Führung
Ist das Imposter Syndrom eine psychische Erkrankung?
Nein. Es ist kein klinisches Störungsbild und nicht im ICD-11 gelistet. Es beschreibt ein dysfunktionales Selbstkonzept, das sich aber sehr wohl auflösen lässt.
Betrifft das Imposter Syndrom nur Frauen?
Nein. Aktuelle Forschung zeigt: Männer sind fast genauso oft betroffen, sprechen aber seltener darüber. Bei Frauen kommt allerdings häufiger die strukturelle Komponente (wenige Vorbilder, doppelte Bewertungslatte) hinzu.
Wann ist es sinnvoll, einen Coach hinzuzuziehen?
Wenn Selbstzweifel deine Entscheidungen, deinen Schlaf oder deine Lebensqualität beeinflussen und Selbsthilfe nicht mehr greift.
Wie lange dauert es, das Imposter Syndrom aufzulösen?
Das ist individuell. In meiner Erfahrung verändert sich oft schon in einer intensiven Klarheitssession viel. Tiefer sitzende Muster lösen sich typischerweise in einer strukturierten Begleitung über mehrere Wochen.
Kann man das Imposter Syndrom ganz "wegmachen"?
Es geht weniger darum, Selbstzweifel komplett zu eliminieren, sondern darum, ihnen nicht mehr die Steuerung zu überlassen. Das ist realistisch und erreichbar.
"Wenn du beim Lesen an mehreren Stellen genickt hast, ist das kein Zufall. Es ist ein Signal. Du musst das nicht alleine durchdenken und du musst dich auch nicht weiter durchbeißen.
In einem Kostenlosen Erstgespräch, 20 Minuten, kostenlos, unverbindlich, schauen wir gemeinsam, was bei dir gerade wirklich los ist und ob und wie ich dich begleiten kann."

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